Equipment passend einstellen
In diesem Modul lernen die Teilnehmer:innen, wie sie den Gurt und das Bungee-System nach den Vorgaben des jeweiligen Herstellers auswählen und an unterschiedliche Personen anpassen. Das Ziel ist eine Einstellung, die sicheren Halt bietet, Bewegungen kontrollierbar macht und zur Körpergröße, zum Körpergewicht sowie zum Trainingsniveau passt.
Lernziele
Nach diesem Modul können die Teilnehmer:innen:
- einen geeigneten Gurt auswählen,
- den Gurt korrekt anlegen und kontrollieren,
- das Bungee-System an Körpergewicht und Trainingsstand anpassen,
- die richtige Arbeitshöhe einstellen,
- einen vollständigen Sicherheits- und Funktionstest durchführen,
- typische Einstellungsfehler erkennen und beheben.
Wichtiger Hinweis:
Die zulässigen Belastungsgrenzen, die Anzahl und Kombination der Bungee-Seile sowie deren Befestigung richten sich immer nach den Angaben des jeweiligen Herstellers. Allgemeine Empfehlungen aus dieser Ausbildung ersetzen keine Bedienungsanleitung oder Herstellerfreigabe.
Lektion 1 · Den passenden Gurt auswählen
Der Gurt bildet die Verbindung zwischen der trainierenden Person und dem Bungee-System. Er muss zur vorgesehenen Trainingsart passen, die richtige Größe haben und sich sicher an den Körper anpassen lassen. Für Bungee Fitness dürfen ausschließlich Gurte verwendet werden, die vom Hersteller für diesen Einsatz vorgesehen und entsprechend belastbar sind.
Darauf kommt es bei der Auswahl an
Der Gurt sollte:
- in der passenden Größe verfügbar sein,
- sicher und körpernah sitzen,
- während der Bewegung nicht verrutschen,
- die Bewegungsfreiheit nicht unnötig einschränken,
- keine sichtbaren Schäden aufweisen,
- über geeignete und eindeutig erkennbare Befestigungspunkte verfügen,
- nach den Herstellervorgaben verwendet werden.
Ein zu großer Gurt kann verrutschen und bietet möglicherweise nicht den notwendigen Halt. Ein zu kleiner Gurt kann Druckstellen verursachen, die Atmung beeinträchtigen oder die Beweglichkeit einschränken.
Kontrolle vor der Verwendung
Überprüfe vor jedem Einsatz:
- Gurtband und Material,
- Nähte und Verstärkungen,
- Schnallen und Verschlüsse,
- Befestigungspunkte,
- Größen- und Belastungsangaben,
- allgemeine Sauberkeit und Funktion.
Ein beschädigter oder nicht eindeutig zuzuordnender Gurt darf nicht verwendet werden. Das gilt auch, wenn das Alter, die Herkunft oder die bisherige Belastung des Materials nicht nachvollziehbar sind.
Merksatz
Der Gurt muss zum Menschen, zum Bungee-System und zum vorgesehenen Training passen.
Lektion 2 · Den Gurt richtig anlegen
Bevor der Gurt angelegt wird, sollte die Trainerin oder der Trainer kurz erklären, wie das Anlegen funktioniert und an welchen Körperstellen später Druck entstehen kann.
Die Teilnehmer:innen sollten eng anliegende Sportkleidung tragen. Sehr weite Kleidung, offene Reißverschlüsse, Schmuck oder andere Gegenstände können sich im System verfangen oder Druckstellen verursachen.
Schrittweises Vorgehen
- Überprüfe den Gurt vor dem Anlegen vollständig.
- Öffne alle dafür vorgesehenen Verschlüsse.
- Achte darauf, dass der Gurt nicht verdreht ist.
- Lass die Person nach Herstellervorgabe in den Gurt einsteigen.
- Positioniere den Gurt gleichmäßig am Körper.
- Schließe und sichere alle Verschlüsse.
- Ziehe die Gurte gleichmäßig und körpernah fest.
- Verstaue lose Gurtenden, sofern das System dies vorsieht.
- Kontrolliere den Sitz vor dem Einhängen erneut.
So sollte der Gurt sitzen
Der Gurt sollte:
- fest, aber nicht einschnürend sitzen,
- symmetrisch ausgerichtet sein,
- nicht über Kleidung oder Haut rollen,
- nicht unkontrolliert nach oben oder unten rutschen,
- eine normale Atmung ermöglichen,
- keine starken oder einseitigen Druckstellen verursachen.
Frage die Person aktiv nach ihrem Empfinden. „Ist alles okay?“ reicht häufig nicht aus. Besser sind konkrete Fragen:
- Spürst du irgendwo einen starken Druck?
- Kannst du frei atmen?
- Fühlt sich der Gurt auf beiden Seiten gleich an?
- Gibt es eine Stelle, die schmerzt oder einschneidet?
Vier-Augen-Kontrolle
Vor dem ersten Einhängen sollte der Sitz des Gurtes noch einmal von der Trainerin oder dem Trainer kontrolliert werden. In Ausbildungssituationen ist eine zusätzliche Vier-Augen-Kontrolle sinnvoll.
Lektion 3 · Das Bungee-System anpassen
Die Stärke und Zusammenstellung des Bungee-Systems beeinflussen, wie stark die Person unterstützt wird und wie viel Kraft sie für die Bewegung benötigt.
Entscheidend sind unter anderem:
- das Körpergewicht,
- die Körpergröße,
- das verwendete Seilsystem,
- die Anzahl beziehungsweise Stärke der Bungee-Seile,
- die gewünschte Übung,
- der Trainingsstand,
- die Angaben des Herstellers.
Zu wenig Unterstützung
Ist das System zu weich eingestellt, kann die Person beim Absenken oder Springen zu wenig abgefangen werden. Der Abstand zum Boden kann dadurch zu gering werden und Bewegungen werden schwerer kontrollierbar.
Mögliche Anzeichen:
- sehr geringer Abstand zum Boden,
- hartes oder unkontrolliertes Abfangen,
- starkes Durchhängen des Systems,
- Unsicherheit bei ersten Gewichtsverlagerungen.
Zu viel Unterstützung
Ist das System zu stark eingestellt, kann die Person übermäßig nach oben gezogen werden. Der Bodenkontakt wird schwieriger und Bewegungen können unkontrolliert oder unangenehm werden.
Mögliche Anzeichen:
- die Person kann nicht stabil stehen,
- die Füße verlieren unbeabsichtigt den Bodenkontakt,
- starke Zugbelastung am Gurt,
- Bewegungen lassen sich kaum kontrollieren.
Wichtig
Eine allgemeine Einteilung allein nach Körpergewicht reicht nicht aus. Zwei Personen mit gleichem Gewicht können aufgrund ihrer Größe, ihrer Körperspannung, ihrer Erfahrung und der verwendeten Übungen eine unterschiedliche Einstellung benötigen.
Verwende ausschließlich Seilkombinationen, die vom Hersteller ausdrücklich freigegeben sind. Bungee-Seile verschiedener Systeme oder Hersteller dürfen nicht eigenständig miteinander kombiniert werden.
Lektion 4 · Die richtige Arbeitshöhe einstellen
Die Arbeitshöhe bestimmt, wie viel Bodenkontakt, Unterstützung und Bewegungsfreiheit eine Person während des Trainings hat.
Für den Einstieg wird das System zunächst so eingestellt, dass die Person sicher stehen und die Grundposition kontrolliert einnehmen kann. Sie sollte nicht unbeabsichtigt vom Boden abheben.
Bei der Einstellung beachten
- Die Person steht mittig unter dem Aufhängepunkt.
- Das System verläuft möglichst gerade.
- Die Füße haben in der Ausgangsposition sicheren Bodenkontakt.
- Der Gurt sitzt korrekt und bleibt unter Zug stabil.
- Der Bodenabstand ist für die geplanten Übungen ausreichend.
- Seitliche Bewegungen bleiben innerhalb des vorgesehenen Trainingsbereichs.
Die genaue Einstellung erfolgt ausschließlich über die dafür vorgesehenen Bestandteile des Systems. Provisorische Knoten, improvisierte Verlängerungen oder nicht freigegebene Verbindungsmittel dürfen nicht eingesetzt werden.
Einstellung schrittweise testen
Beginne nicht sofort mit Sprüngen oder schnellen Kombinationen. Teste die Einstellung in dieser Reihenfolge:
- aufrechter Stand,
- leichte Gewichtsverlagerung,
- kontrolliertes Zurücklehnen,
- kleine Kniebeuge,
- erste einfache Schritte,
- kleine, kontrollierte Federbewegung.
Erst wenn die Person diese Bewegungen sicher kontrollieren kann, werden dynamischere Übungen durchgeführt.
Lektion 5 · Sicherheits- und Funktionstest
Vor jeder Trainingseinheit wird das komplette System unter geringer Belastung getestet. Dieser Test ist auch dann erforderlich, wenn die Aufhängung bereits in einem vorherigen Kurs verwendet wurde.
Kontrolle von oben nach unten
Überprüfe das System immer in einer festen Reihenfolge:
- sichtbarer Bereich der Aufhängung,
- Verbindungsmittel,
- Karabiner und deren Sicherung,
- Wirbel und weitere Systembestandteile,
- Bungee-Seile,
- Längenverstellung beziehungsweise Daisy Chain,
- Verbindung zum Gurt,
- Gurt und Verschlüsse,
- freie Trainingsfläche.
Diese gleichbleibende Reihenfolge hilft dabei, keine Komponente zu vergessen.
Belastungstest mit der Person
Nach dem Einhängen erfolgen zunächst ruhige Bewegungen:
- Gewicht langsam in das System geben,
- leicht zurücklehnen,
- kleine Kniebeuge ausführen,
- kontrolliert zur Ausgangsposition zurückkehren,
- einige langsame Schritte durchführen.
Beobachte dabei:
- Bleibt der Gurt an seiner Position?
- Sind alle Verbindungen geschlossen?
- arbeitet das System gleichmäßig?
- hat die Person jederzeit Kontrolle?
- ist ausreichend Abstand zum Boden vorhanden?
- entstehen Schmerzen oder starke Druckstellen?
Erst nach einem erfolgreichen Test beginnt das eigentliche Training.
Stopp-Regel
Das Training wird sofort unterbrochen, wenn:
- sich ein Verschluss öffnet oder lockert,
- ungewöhnliche Geräusche auftreten,
- Material beschädigt oder stark abgenutzt wirkt,
- der Gurt verrutscht,
- die Person Schmerzen, Taubheitsgefühle oder Atemprobleme meldet,
- die Einstellung keine kontrollierte Bewegung ermöglicht.
Im Zweifel wird das betreffende Material aus der Nutzung genommen und nach den betrieblichen Vorgaben gekennzeichnet, dokumentiert und fachgerecht geprüft.
Praxisaufgabe zu Modul 2
Stelle das Bungee-System nacheinander für mindestens zwei unterschiedliche Personen ein.
Dokumentiere dabei:
- verwendete Gurtgröße,
- Körpergröße und Körpergewicht der Person,
- verwendete und vom Hersteller freigegebene Seilkonfiguration,
- gewählte Höheneinstellung,
- Ergebnis des Funktionstests,
- notwendige Anpassungen,
- Rückmeldung der Testperson.
Verwende für die Dokumentation keine sensiblen Gesundheitsdaten und hole das Einverständnis der Testpersonen ein.
Checkliste vor dem Trainingsbeginn
- Der passende Gurt wurde ausgewählt.
- Der Gurt ist unbeschädigt und korrekt angelegt.
- Alle Verschlüsse sind geschlossen und gesichert.
- Lose Gurtenden sind verstaut.
- Die Seilkonfiguration entspricht den Herstellervorgaben.
- Alle Karabiner und Verbindungen sind kontrolliert.
- Die Arbeitshöhe wurde individuell eingestellt.
- Die Trainingsfläche ist frei.
- Ein langsamer Belastungs- und Funktionstest wurde durchgeführt.
- Die Person fühlt sich sicher und kann die Bewegung kontrollieren.
Abschluss von Modul 2
Ein korrekt eingestelltes Bungee-System lässt sich nicht allein anhand einer Tabelle beurteilen. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Herstellervorgaben, Körpermaßen, Trainingsniveau, geplanter Bewegung und praktischem Funktionstest.
Erst einstellen, dann kontrollieren, anschließend langsam testen – und erst danach mit dem eigentlichen Training beginnen.